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Mitschnitt der SWR1 Sendung: Begegnungen

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SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Sendetext von Sonntag, 28. Dezember 2008

Autor: Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche


Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann, evang. Kirche, trifft Bettina Grimberg; Pfarrerin und Leiterin der Telefonseelsorge in Karlsruhe

Teil 1
Telefonseelsorge - Das Unglück ausatmen helfen


Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind irgendwie besonders. Das spürt auch Bettina Grimberg bei ihrer Arbeit als Telefonseelsorgerin. Weihnachten ruft bei Menschen auch dunkle Stimmungen hervor: Einsamkeit, Beziehungsprobleme. Besonders auch nachts begegnen sie den Mitarbeitern, die am Telefon wachen. Früher nannten sich Telefonseelsorger auch „Telefonwächter“. Bettina Grimberg findet, dieses uns heute fremde Wort, das hat etwas.

Wir wachen darüber wie treue Wächter, dass diese Stimmungen nicht untergehen im Getöse des Tages, weil sie zutiefst menschlich sind, weil Gott ein Begleiter unserer Tage und Nächte sein will.

Bettina Grimberg begegnet gern Menschen am Telefon, auch wenn es manchmal schwer ist. Per Telefon ist sie einfach zu erreichen.
Sie persönlich und vor allem ihr Büro zu finden, das hätte ich ohne Hilfe kaum geschafft. Aber darauf kommt es bei Bettina Grimberg ja auch nicht an. Entscheidend ist, dass sie als Telefonseelsorgerin zuhören kann. Und gute Worte findet. Gerade auch jetzt – zwischen den Jahren.

Die Gespräche sind zum Teil ruhiger und in manchen ist auch sehr deutlich, diese Sehnsüchte, die mit Weihnachten verknüpft sind, von Heilsein, Wünsche an das Neue Jahr. Und dadurch auch so die eigenen Probleme und Anliegen noch mal schmerzhafter sind, weil sie allein ausgehalten werden müssen.

Probleme in Beziehungen sind nach wie vor häufigsten Gründe, warum Menschen anrufen. Sie werden nicht weniger, gerade auch in wirtschaftlichen Krisen. Immer wichtiger wird das „Rund um die Uhr Telefon“ auch für einsame Menschen, und auch die werden mehr.

Da ist einfach so eine Möglichkeit zwischendurch dann wenigstens mal mit jemanden zu sprechen. In einer tiefen Depression z. B. am Morgen um überhaupt in die Gänge zu kommen, um überhaupt eine menschliche Stimme zu hören.

Seit 6 Jahren ist Bettina Grimberg eine von zwei Leiterinnen der ökumenischen Telefonseelsorge in Karlsruhe. Sie ist es gern, weil ihr beides wichtig ist: Das Medium Telefon und die Seelsorge: Am Telefon können Menschen anonym bleiben, das hilft vielen, offen zu reden und „Seelsorge“, das ist für Bettina Grimberg ein zentraler Auftrag der Kirchen.

Es ist ja ein sehr nieder schwelliges Angebot, was da unsere Kirchen bereit halten und ich finde, dass die Sorge für die eigene Seele und für die Seele von anderen mit zu dem Wichtigen unserer christlichen Botschaft gehört.

Nieder schwellig ja, aber alles anders als oberflächlich. Es geht oft zur Sache und in die Tiefe. Man muss bereit sein, mit den Anrufern in ihr Dunkel rein zu gucken, sagt sie. Und dann kann passieren, was Erich Fried in einem Gedicht gesagt hat:

„Sein Unglück ausatmen können, tief ausatmen, damit man wieder einatmen kann. Und vielleicht auch sein Unglück sagen können. Das wäre schon fast wieder Glück.“

Zuhören. Damit andere ihr Leid aussprechen können - Dabei lösen sich zwar Probleme nicht einfach so auf. Dennoch machen viele dieser Begegnungen Bettina Grimberg auch glücklich.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass der Anrufer, die Anruferin sagt: 'Ach in die Richtung könnte ich jetzt mal weiter schauen' oder wenn wir vielleicht auch einfach miteinander gelacht haben und es gibt manchmal, gerade in der Nacht, dieses Gefühl: 'Ja, gut, dass ich da war.'

Da sein, ohne Bedingungen zu stellen. Jesus hat das auch so gemacht. Sagt sie. Und ist so etwas wie ein Vorbild für sie.

Das gehört auch mit zu den Grundlagen der Telefonseelsorge, ja möglichst vorurteilsfrei zuhören und auch mit einer weltanschaulichen Offenheit.

Entsprechend rufen auch zunehmend Migranten an, junge Frauen vor allem, und suchen Hilfe bei den Seelsorgern.

Teil 2
Anspruchsvolles Ehrenamt im Verborgenen


„365 Tage im Jahr, rund um die Uhr.“ Das heißt für Bettina Grimberg: Dafür zu sorgen, dass fast 9000 Stunden im Jahr jemand da ist, der bereit ist zuzuhören und es auch kann. Es gelingt, und zwar die meiste Zeit mit Ehrenamtlichen.

So um die 70 braucht man, um das Telefon rund um die Uhr besetzen zu können. Und von daher sind wir auch immer wieder dabei, dass wir neue Ehrenamtliche suchen, sorgfältig auswählen und dann im Lauf des Jahres mit einer neue Ausbildungsgruppe beginnen möchten.

Ein Jahr dauert die Ausbildung, bevor man zum ersten Mal ans Telefon geht. In Zeiten, in denen man selbst besonders belastet ist, sollte man es sich nicht zumuten. Grundsätzlich achtet sie besonders auf einige Begabungen:

Wichtig ist, dass sie offen und vorurteilsfrei zuhören können, dass sie auf andere eingehen können, dass sie aber auch selber eine Belastbarkeit mitbringen, denn es ist schon auch manchmal schwer, was wir am Telefon auch zu hören bekommen. Und es ist auch wichtig, eine Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Bettina Grimberg weiß sehr wohl, dass die Mitarbeit in der Telefonseelsorge anspruchsvoll ist. Persönlich und auch, was das rein zeitliche Engagement angeht.

Bei uns in Karlsruhe haben wir die Regelung, dass sich die Mitarbeitenden verpflichten zu 3 Diensten im Monat, das sind so 15 Stunden, dazu kommt dann noch regelmäßig die Supervisionsgruppe und es kommt auch noch dazu, Nachtdienst zu übernehmen.

Und was bekommt man als Mitarbeitender zurück? Öffentliches Lob gibt es nicht. Telefonseelsorger kommen nicht in die Zeitung. Sie bleiben anonym wie die Anrufer. Bettina Grimberg weiß darum sehr genau, wie wichtig interne Wertschätzung ist. Fortbildung. Ausdrücklicher Dank.
Und sie ist sich sicher, dass die Mitarbeitenden am Telefon vieles bekommen.

Sie bekommen einen Einblick in eine Vielfalt von Lebensthemen, was dann auch manchmal interessant und spannend ist und zu sehen, wie andere Menschen das dann auch meistern. Da ist so eine Portion gute Neugier, Liebe zu Menschen und Interesse an Menschen. Und ich glaube, es ist auch so ein ständiger Prozess von sich auseinandersetzen, sich weiter entwickeln, neue Anstöße zu bekommen, was glaube ich, viele als bereichernd für sich erleben.

Das große Engagement zeigt, dass die Menschen spüren, sie tun etwas Wichtiges. Das freut Bettina Grimberg. Und es freut sie, dass die Kirchen im Land und in der Stadt das auch so sehen und die Telefonseelsorge finanziell tragen. Entsprechend hat sie auch zwei Wünsche für 2009.

Ich wünsche mir, dass diese finanzielle Unterstützung auch da ist von den Kirchen, das ist das Eine und dass die Ehrenamtlichen für sich, für ihre eigene Seele sorgen können, dass sie ihre Kräfte auch einteilen.

Für die eigene Seele sorgen: Ein guter Wunsch für 2009, nicht nur für Telefonseelsorger.



Weitere Informationen zur Telefonseelsorge
finden Sie im Internet unter

www.telefonsorge.de

www.telefonseelsorge-karlsruhe.de


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Die Telefonseelsorge freut sich, wenn Sie die Arbeit finanziell unterstützen.

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Diese Seite wurde zuletzt am 11. Mai 2010 aktualisiert.